Gedanken zur Spendung des Firmsakramentes

Firmung

In einer Karikatur sagt ein zorniger Vater mit erhobenem Zeigefinger zum Pastor: „Mein Sohn hat Glaubenszweifel! Sehen Sie bloß zu, dass Sie das wieder hinbiegen!“

Wenn ein Kind in der Wiege liegt, sind die Vorsätze der Eltern groß. Natürlich – gute Ernährung. Sicher – fundierte Bildung. Und klar – Taufe und christliche Erziehung gehören auch dazu. Man trägt doch Verantwortung für das Kind und will das Richtige tun.

Doch dann?

Mit der Muttermilch, die für ein Neugeborenes passt, wird ein Kind von 6 Monaten nicht mehr satt. Auch die Folgenahrung – in praktischen Gläschen abgepackt und verzehrfertig angeboten - reicht auf die Dauer nicht. Auch das Füttern verliert seinen Sinn – das Kind muss lernen (und will auch lernen), selber zu essen und zu trinken. Die Sorge der Eltern für das Kind bleibt, davon können die Eltern sich nicht dispensieren, aber das Weise der Sorge verändert sich und passt sich an.

Die erste Klasse endet mit einen hoffentlich glücklich-stolzen Kind, das schon viiiiel gelernt hat, aber noch nicht mit dem geglückten Schulabschluss. Am Anfang braucht das Kind viel Unterstützung von Eltern und Lehrern, doch mit dem Erfahrenen und Erkannten wird sich das reduzieren, das heranwachsende Kind wird lernen, eigene Verantwortung für seine Zukunft zu übernehmen. Die Sorge der Erziehenden bleibt und lässt sich nicht abschieben, aber sie wandelt sich. Begleitung und Eigenverantwortung sind Basis für ein gelingendes Leben.

Mit der Taufe ist auch nicht mehr als ein guter Anfang gemacht. Oft mit besten Vorsätzen !

Und dann?

Man sagt ja, dass Glaube in Kinderschuhen steckenbleibt, mit dem Glauben an den Nikolaus und das Christkind auch der Glaube am Christus verschwindet, Glaube verdunstet. Das Taufkleid, mit dem man Christus angezogen hat wie ein neues Gewand, zwickt und kneift – spätestens in der Pubertät.

Und dann?

Wie sich Ernährung, Kleidung und Ausbildung dem Wachsen der Kinder und Jugendlichen anpassen, so braucht auch die Glaubensbegleitung Anpassung und Wandel. Die Sorge der Erziehenden bleibt. Zugleich nimmt die Eigenverantwortung für das Leben und den Glauben zu.

Mit dem Empfang der Firmung wird dafür ein Zeichen gesetzt. Gefirmte/r – das heißt: gestärkter - Christ zu sein, ist nun mein eigenes Anliegen, liegt in meiner eigenen Verantwortung. Aber der/die Gefirmte bleibt auch auf Mitgehende, Mitglaubende, Mitbetende angewiesen. Davon können sich Christen nicht dispensieren.

Das Wort des 1. Petrusbriefes bleibt gültig: „Seid stets bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn man euch nach dem Grund eurer Hoffnung fragt.“

F.P.Rech nach Gedanken aus 'Image' 02/12